Räumliche Veränderung von Lebensräumen alpiner Wildtierarten durch den klimabedingten Anstieg der Waldgrenze

Nummer: DA-Z27
Autor: Jakob Schaumberger

Kurzfassung:
Die Wildtierarten Birkhuhn, Schneehuhn sowie Gams- und Steinwild haben sich im Laufe ihrer Evolution sehr gut an das Leben in alpinen Lagen, hauptsächlich über der Waldgrenze, angepasst und sind somit Teil dieses sehr empfindlichen Ökosystems. Unter Annahme des Ansteigens der Waldgrenze aufgrund des Klimawandels könnte sich der Lebensraum dieser Wildtierarten deutlich verringern. Eine Quantifizierung dieser Veränderungen wurde durch Umsetzung von Modellen in einem Geografischen Informationssystem (GIS) versucht. Als Grundlage für die Ermittlung dieser Veränderungen wurde die Temperaturentwicklung der vergangenen 50 Jahre genauer betrachtet sowie anhand eines regionalen Klimamodells eine Abschätzung für die zukünftige Erwärmung vorgenommen.

Die Waldgrenze ist sehr stark von der Temperatur abhängig und es wurde eine hohe Korrelation zwischen der Wachstumsgrenze von Bäumen und der 10°C Juli-Isotherme nachgewiesen. Die vorausgesagten Temperaturveränderungen hängen jedoch sehr stark vom verwendeten Klimamodell ab. Über die Geschwindigkeit, mit der sich die Waldgrenze zur temperaturbedingten Wachstumsgrenze hin bewegt, kann ohne weitere Forschungsarbeiten keine Aussage getroffen werden. Die Bewirtschaftung durch den Menschen übt ebenfalls einen sehr großen Einfluss auf den Verlauf der Waldgrenze aus. Daher ist aus den Klimadaten allein noch nicht absehbar, wie sich die Waldgrenze verändern wird.

Die aktuellen Lebensräume der untersuchten Tierarten wurden nach einem wissensbasierten Habitatmodell mit Hilfe eines GIS ermittelt und kartographisch dargestellt. Unter der Annahme, dass die zukünftige Waldgrenze sich an die veränderte Temperatur der Dekade 2040 bis 2050 anpasst, führt diese Verschiebung zu einem dramatischen Verlust an Lebensraum, der je nach Jahreszeit und Tierart zwischen 77% und 98% der Fläche der derzeitigen gut geeigneten Lebensräume ausmachen kann.